Konzert 2005


 

Gediegenheit und Virtuosität

Erwin Lessl

Konzert des Volks-Chores Bammental mit Gästen ein beachtlicher Publikumserfolg

Eines vorweg: Das Konzert, das der Volks-Chor Bammental-Reilsheim mit Gästen in der voll besetzten katholischen Kirche des Ortes am 16. April veranstaltet hatte, war ein beachtlicher Publikumserfolg. Die Aufführung eröffnete der Volks-Chor unter der Leitung von Gerald Drebes, am Klavier begleitet von Rainer Böhm, mit der zärtlichen Aufforderung "Erlaube mir, feins Mädchen", einer Komposition von Johannes Brahms, gefolgt von einem ebenfalls von Brahms gesetzten lyrischen Chorlied von Zuccalmaglio. Mit dem anschließenden "Im Grünen" von Mendelssohn-Bartholdy war man dann mitten drin in der Romantik angelangt. Durch sein suggestives Dirigat verstand es Gerald Drebes, mit dem Chor eine der Romantik angemessene Nuancierung zu erwirken, indem er dynamische Spannweiten auslotete.

Sanfte Tongebung, gepflegte Diktion und Natürlichkeit des Ausdrucks bewies der Chor bei hilfreicher Akustik auch in den anschließenden Chorsätzen - "Abschied vom Walde" von Mendelssohn-Bartholdy, dem beliebten Silcher-Lied "Es löscht das Meer die Sonne aus" und dem volkstümlichen "Der Mond ist aufgegangen".

Nach der Pause zog der Volks-Chor andere Saiten auf. Denn die Gospels "Michael row the boat" und Rutters "All things bright" sowie zum Schluss "Good News" und "An irish blessing" erforderten akzentuierte Gestaltung, vollen Stimmeinsatz und rhythmische Flexibilität, Ansprüche, denen der Chor, vom Dirigenten für diese Heftigkeit tadellos präpariert, vollauf gerecht wurde. Der ungebrochene Beifall der Zuhörer erbrachte den Nachweis.

Mitgewirkt hat an diesem Abend auch der Oberstufenchor der Gymnasien Bammental und Neckargemünd. Durch ihr Repertoire - modern gesetzte oder arrangierte Kompositionen von Heinrich Schütz über Theodor Kramer bis zu Highlights aus dem Musical "Hair" - sowie durch ihr Engagement, ihre Präzisionsbeflissenheit und nicht zuletzt durch die jugendlich frischen Stimmen ließ der Schülerchor unter seinem charismatischen Lehrer und Klavierbegleiter Ingo Schlüchtermann aufhorchen. Selbst für schwierigste Einsätze reichte zuweilen nur ein Fingerzeig des Dirigenten vom Klavier aus. Stürmischer Applaus und kumpelhaft anerkennende Pfiffe begleiteten durchwegs die Auftritte des Oberstufenchores. Eine wünschenswerte Partnerschaft zwischen den Chören dürfte hier ihren Anfang genommen haben, vielleicht zum Vorteil beider Ensembles.

 

Für die Sensation dieses Abends sorgte allerdings Rainer Böhm am Klavier. Denn über Chorbegleitung hinaus bot der Gast zwei Soloeinlagen dar, von denen überwältigende Faszination ausging. Das, was das Publikum einst von Meistern, wie Mozart, Beethoven, Haydn oder Liszt, als Beweis ihrer Kunstfertigkeit erwartete, und zwar Improvisationen, eigene Variationen, Fantasien und Paraphrasen, trug Rainer Böhm hier auf meisterhafte Weise in seiner ersten Darbietung vor. Gleichviel, ob er nun "Der Mond ist aufgegangen", Kurt Weills "Drei Groschenoper" oder einen schlichten Schlager als Vorlage hatte, seine Inspiration aus dem Stand war kongenial.

Eine Leistung, die nur noch von seiner zweiten Klaviereinlage übertroffen wurde. Es waren diesmal Gospel- und Jazzvariationen, die nicht den nachdenklichen Rainer Böhm, sondern den überschwänglichen Musiker und Tastenvirtuosen zu erkennen gaben. Durch Klangsinn, gepaart mit Flexibilität und Treffsicherheit, erschuf er im Nu eine mitreißende Klangwelt. Selbst wenn er, fingerfertig aufspielend, Passagen im Geschwindschritt mitreißend durchtobte, blieb bei Böhm, diesem Interpreten von feuriger Ursprünglichkeit, der Ausdruck nie auf der Strecke. Darum riss er auch das Publikum buchstäblich von den Sitzen, und die Zuhörer dankten ihm mit stehendem Beifall. Man schied mit der Gewissheit, dass jemand, um so Klavier spielen zu können, seelenverwandt mit seinem Instrument sein muss.


Dass nach diesen virtuosen Einlagen und Darbietungen die Zuschauer nach mehr verlangten, war vorauszusehen. Gemeinsam präsentierten die Chöre und der Pianist dem Publikum zum Abschluss "Rock my soul"

 

Nach dem Konzert, im Gemeindehaus, wo von den Chordamen gespendete Schnitten, Sekt, Wein, Bier und alkoholfreie Drinks auf die Gäste warteten, bezauberte Rainer Böhm am Klavier die Nachtschwärmer unter seinen Zuhörern mit Zitaten aus populären Musicals, mit Jazz und anderen berückenden Tönen, noch bis zu spätester Stunde und verführte viele, die sich um ihn geschart hatten, zum Mitsingen. (EL)

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Pressestimmen

Rhein-Neckar-Zeitung vom 21. April 2005

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