Frauenchorkonzert 2006


Frisch und froh gesungen

Der FRAUENCHOR des Volks-Chors Bammental gab sein Frühlingskonzert

Was tut der Mensch nach einem nicht enden wollenden Winter, wenn der Frühling schließlich hereinbricht und die ganze Natur in einer einmaligen Blütenpracht erwacht? Er sucht die Natur auf und wandert. Darum waren die drei Lieder, mit denen der Frauenchor unter der Leitung ihrer langjährigen Dirigentin, Gisela Weißer, das Konzert eröffnete, auch dem Verweilen in der Natur und dem Wandern gewidmet: „Träume im Wind“ von Bühler, das populäre „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“ nach einem Text von Joseph von Eichendorff und „Wandre mit mir“ von H.-G. Becker. Die zum Einsingen geeigneten Lieder stimmte der Chor mit raffinierter Phrasierung an. Gisela Weißer setzte auf Natürlichkeit des Ausdrucks und den interpretatorischen Kunstverstand ihrer Sängerinnen.

Unser Frauenchor im Jahr 2006

Ein Intermezzo des Kinderballetts Pinter Kinderballett Pinteraus Wiesenbach nach einer Musik aus „König der Löwen“ von Elton John, das durch anmutige Bewegungen und kunstvoll geschwungene Schleifen kindlichen Charme und Farbe verströmte, leitete über zum Auftritt des mitwirkenden Mittel- und Oberstufenchores der Gymnasien Bammental und Neckargemünd. Es waren Chöre aus Elton Johns Musical „König der Löwen“ angesagt. Leicht und ungezwungen erklangen die Songs, sie waren erstaunlich homogen und von intonatorischer wie rhythmischer Präzision. Musiklehrerin Theresia von Erdmann, die den Chor mit temperamentvollem Einsatz vom Klavier aus leitete, muss die fünf Gesänge – aufgelockert durch einen kurzen Sketch - penibel und wohlüberlegt einstudiert haben.

Den ersten Teil des Abends beschloss der Frauenchor, diesmal mit Hits aus den siebziger Jahren. Den von Boney M lancierten Ohrwurm „Rivers of Babylon“, dem alttestamentarischen Psalm 137 nachempfunden, gestaltete der Chor mit einem hohen Maß an Einfühlung, im Bestreben, den Spannungsbogen weit wie möglich zu halten.

Es folgte ein weiterer Evergreen mit Daniel Gérards „Butterfly“, in dem der Schmetterling metaphorisch als reale oder imaginäre Geliebte aufzufassen ist. Der Chor wertete die einschmeichelnde Melodie durch natürlichen Ausdruck und nuancierte Phrasierung auf.

Nach der Pause, in der Getränke serviert wurden, setzte der Frauenchor seine Darbietung fort mit dem „Capriccio“, das Hermann Ophoven dem „Capriccio italien“ Tschaikowskys angeglichen hatte. Tschaikowsky wieder hatte sich beim Kopfmotiv vom Zapfenstreich der italienischen Armee beeinflussen lassen. Der Chor ließ in seiner linien- und klangschönen Interpretation die berauschende südländische Atmosphäre deutlich zur Geltung kommen. Ähnlich war die Stimmung auch in der „Barkarole“ aus der Oper „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach, deren Handlung im zweiten Akt in Venedig spielt. Ein Trio, bestehend aus Gisela Weißer (Sopran), Claudia Bäuerlein (Alt) und Maria Dieterich (Alt), füllte den swingenden Rhythmus mit rundem ausgeglichenen Klang ihrer harmonierenden  Stimmen aus.

Seinen zweiten Auftritt widmete der Mittel- und Oberstufenchor der Gymnasien Bammental und Neckargemünd dem Repertoire der Kinder des Monsieur Mathieu. Mathieu glaubte an die formende Kraft der Musik, scharte die schwer erziehbaren Kinder eines Internats in einem Chor um sich und brachte diese so gewaltlos auf den richtigen Weg. In der Darbietung der Schüler konnte man die bildende Kraft der eingängigen Melodien durchaus nachvollziehen, zumal Theresia von Erdmann dieser Musik am Klavier noch zusätzliche Brillanz verlieh.

Mittel- und Oberstufenchor der Gymnasien Bammental und Neckargemünd

Nach dem Auftritt der Teenies im Kinderballett von Frau Pinter zur Musik aus der „Puppenfee“ von Joseph Bayer war Weinseeligkeit angesagt. Drei Chorlieder mit volksliedhafter Melodik: „Trink Wein, damit du lachen kannst“, „In jedem vollen Glas Wein“ und „Im Weinparadies“ priesen die Tugend dieses edlen Tropfens an, wobei auch deutlich gemacht wurde, dass Wein nicht nur Männersache sein darf.

Zum Abschluss brachte der Frauenchor noch einen Ohrwurm zu Gehör: „Sierra Madre Del Sur“. Dieses Hohelied von Roloff/Herr auf den majestätischen Gebirgszug im Süden Mexikos begeisterte den ganzen Saal, und vor allem die jungen Zuhörer schunkelten mit. Das harmonisch gar nicht einfach zu gestaltende Chorstück rundete das ausgewogene Programm dieses Abends ab.

Als Zugabe für den reichlichen Beifall sang der Chor noch das „Ave Maria der Berge“ von Otto Groll. Gisela Weißer trat solistisch hervor.

 

 

Jutta Kuch am KlavierJutta Kuch bewährte sich als einfühlsame Klavierbegleiterin des Chores durch den Abend.

 

E.L