Närrische Singstunde 2007


Wehe, wenn sie losgelassen
Närrinnen und Narren feierten im Volks-Chor Fassenacht

Die „närrische Singstunde, die herkömmliche Art des Volks-Chors Bammental Reilsheim, Fasching zu feiern, begann diesmal am 20. Februar, pünktlich um 19,11 Uhr, im Vereinslokal. Ab 19,00 Uhr trafen die ersten Masken ein. Der Einfallsreichtum der Teilnehmer in Sachen Kleidung und Maskierung war unvorstellbar. Vielfach hörte man ein Oh! oder ein Ach!, als Freunde erst auf den zweiten Blick erkannt wurden. Jeder der über 50 Teilnehmer wollte den anderen an Originalität übertreffen.
Der SitzungspräsidentPeter Fabian, der nun schon seit Jahren, aber immer kreativ, diese Veranstaltung leitet, begrüßte die Gäste in festlich passendem Ornat, mit Fliege, Narrenkappe und wohlgesetzten Versen. Er erinnerte daran, dass man ein Gesangverein sei, und rief zum feurigen Singen und Schunkeln auf. Zugleich mahnte er Toleranz an, um dem Verdruss vorzubeugen, der oft entsteht, „weil es sich reimen muss“.

Mit „Helau!“ kündete er umgehend die erste Büttenrednerin Irmgard Beisel an, eigentlich Büttensängerin, denn sie animierte, bunt gekleidet, den Saal zum Eröffnungsgesang.


Erwin Lessl nahm sich dann die erst nach dem zweiten Anlauf erfolgreiche deutsche Rechtschreibreform vor, die Getrennt-Schreibungen vor Zusammensetzungen empfahl.
Ein übereifriger Lehrer ließ nun seine Schüler dementsprechend den Aufsatz „Der Namenstag meines Vaters“ schreiben mit dem Hinweis: „Keine zusammengesetzte Hauptwörter!“ Dass es dabei in Fritzchens Aufsatz von Wortungetümen, wie „Wasser der Kirschen des Waldes des Schwarzen“ nur so wimmelte, war verständlich.
Mit dem Jüngsten unter den Büttenrednern ging es dann weiter. Michael Stoll, der 13-jährige Rebell, der vor zwei Jahren seinem Vater die Leviten gelesen hatte, nahm diesmal seinen Opa Ottmar aufs Korn. Der Opa pflege ihn beim Handwerk immer zu Hilfsarbeiten zu verdonnern und habe übrigens einmal im Urlaub versehentlich mit dem Auto die Oma auf der Straße vergessen. Peinlich!
Die angekündigte Sing- und Schunkelrunde wurde gut angenommen, hinkte jedoch dadurch, dass die Tonlage bald zu hoch, bald zu tief angestimmt wurde. Sie schuf aber den passenden Übergang zum Abendessen.
Die zarten panierten Schnitzel mundeten vorzüglich zum kühlen Bier und erlesenen Wein, der Kurze nachträglich sorgte als förderliche Verdauungshilfe. Abgerundet wurde das Essen durch vorzüglich schmeckende und von Ursula Merkle gebackene Krapfen.
Ein Dessert der besonderen Art gab es dann noch. Das Damen-Ballett des Chores (Heidemarie Siffling, Anja Stoll, Hildegard Marschar) legte einen anreizenden, witzigen Tanz auf die Bretter. (Choreographie Elisabeth Lessl). Die Damen durften erst nach einer Zugabe wieder von der Bühne.
Baldur Schüle mit stilvollem Maurice-Chevalier-Hut schilderte seine ersten sängerischen Gehversuche im Volks-Chor. Von seiner Helga dazu überredet, dem Chor beizutreten, hatte er zunächst Mühe mit dem Pusten und Schnauben beim Einsingen, dann damit, den richtigen Ton zu finden. Und das habe manchmal bis zum Ende der Singstunde gedauert. Sein Fazit: Man müsse sich richtig frei singen.
Mit dem Schnullerlied meldete sich Irmgard Beisel in viel phantastischerer Kostümierung nochmals zu Wort.
In einem kurzen Sketch aus dem Wartezimmer eines Arztes gaben Hildegard Marschar, Heidemarie und Hans-Jürgen Siffling (offenbar Kassenpatienten) ihr unerträgliches Leiden zum besten.
Mit geschliffener Rede, wie man es von ihm gewohnt ist, setzte sich Ronald Stoll mit dem Gleichstellungsgesetz auseinander und damit, wie tief die Bestimmungen dieser Novelle auch in das Vereinswesen hineinwirken. Wie wäre es um den Frieden in einem Chor bestellt, wenn sich der Bass vom Tenor oder die Frauen von den Männern diskriminiert fühlten? Der juristisch kundige Redner weiß Rat: Eine Beschwerdestelle muss her. Denn, wenn so was noch passiert, fühlt man sich vielleicht diskriminiert, macht man den Vorstand verrückt und auch die Welt, verlangt Schadensersatz und Schmerzensgeld.
In einem Zwiegespräch beim Psychiater (Renate Achatzi) versuchte die Patientin (Anja Stoll) die Ärztin hartnäckig davon zu überzeugen, dass sie untrüglich verspüre, ein Huhn zu sein. Zwar lege sie keine Eier und habe auch kein Gefieder, sie sei nur darum ein Huhn, weil ihr Gockel das so wolle. Dabei wies sie beharrlich mit der Hand in eine bestimmte Richtung im Saal und verließ schließlich unverrichteter Dinge die Praxis.
Den Clou hatte der Veranstalter sich für den Schluss aufbewahrt: Ein Männerballett, laut Ankündigung kurzfristig aus Dubai eingeflogen. Nach den schwermütigen Klängen arabischer Musik zogen die fünf verschleierten Männer in unverkennbar orientalischer Kleidung (geschneidert von Renate Achatzi), gemessenen Schrittes, mit ausladenden Geste und Hüften schwingend, würdevoll ihre Kreise bis zum letzten Takt der Musik so überzeugend, dass eine Zugabe unabdingbar war. (Choreographie Elisabeth Lessl)
Damit und nach einem von Herzen kommenden Dankeschön Peter Fabians an die Gäste endete der offizielle Teil des Abends.
Eine gut bestückte Tombola sorgte für freudige und weniger freudige Überraschung.
Der harte Kern trank schließlich noch einmal und ging dann noch lange nicht. Es war entschieden die längste Singstunde des Jahres. Aber auch die schönste. Den Organisatoren und Helfern gebührt Dank dafür.

E.L. 

 Unsere Schönsten:

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