Konzert des
gemischten Choronzert 2008


Streifzug durch die Chorliteratur der Zeiten

Der Volks-Chor Bammental sang Kompositionen vom Mittelalter bis heute

Wie angekündigt, hatte der Volks-Chor Bammental-Reilsheim bei seinem Frühlingskonzert ein breites Band an  chorischen Stilrichtungen von der Renaissance bis zu Udo Jürgens anzubieten. Das durch die Stile Wandern, setzt verständlicher Weise ein hohes Maß an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit seitens Dirigent und Chorsänger voraus. Dem swingenden Rhythmus der mittelalterlichen Gesänge wie den Kantilenen der Wiener Klassik und dem poppigen Schwung muss an Balance und Finesse gleichermaßen Rechnung getragen werden. Vorneweg sei erwähnt, dass sowohl Chorleiter Gerald  Drebes als auch der gemischte Chor diesen Ansprüchen genüge zu leisten wussten.
Eröffnet wurde der etwa anderthalb stündige Chorvortrag mit Werken aus dem 16. Jahrhundert,
  wobei zu bemerken ist, dass diese flotten Lieder von Gastoldi, Friderici, Attaignant, unbekannten  Meistern und dem weithin bekannten Hans Leo Haßler einen bestechenden Optimismus ausstrahlen und der Unbekümmertheit unserer Tage vielleicht gar nicht so fremd sind.
Gerald Drebes ließ den Chor diesen dem späteren Drei-Viertel-Takt verwandten Rhythmus, ohne Überschwang, aber mit Wertlegung auf vokale Effekte, deutlich machen, und das gefiel offenbar auch dem Publikum, wie der spontane Beifall bewies

.

Der zweite Block war der Chormusik der Wiener Klassik, den volkstümlichen Kompositionen und  Parodien aus einer Zeit gewidmet, von der uns ebenfalls Ausdruckswelten trennen. Das „Menuett“ war der Mozart-Oper „Don Giovanni“ entlehnt und mit deutschem, dem Original verwandtem Text unterlegt,  „Abendruhe“, ist ein weniger bekanntes Chorlied Mozarts, das, wie kaum ein anderes, den stillen Ausklang des Tages zu verdeutlichen vermag. Das von Friedrich Silcher vertonte Gedicht Clemens von Brentanos „Hab oft im Kreise der Lieben“, das bereits zum Volkslied mutiert ist,  sowie das burleske „Ob wir rote, gelbe Kragen“, das Max Reger nach der Melodie „Prinz Eugen, der edle Ritter“ gesetzt hatte, waren in ihrer Linien- und Klangschönheit und durch die  musikalisch inspirierte Interpretation sowie die zum Teil akzentuierte Gestaltung ein Erlebnis.

Nach der Pause ging es dann in die Vollen mit „Music, music, music“, einer Komposition von Baum und Weiss, mit dem Schlager „Rote Lippen soll man küssen“ von Leiber und Stoller,  und dem Grand-Prix-Sieger „Ein bisschen Frieden“, das versöhnlich klingt. Der Chor hat bei diesen vetrauten Melodien so richtig sein Potential an musikalischer Ausdrucksfähigkeit einbringen können.

Wie in den vorangegangenen Darbietungen sorgte Gerald Drebes als aufmerksam formender Dirigent auch in dem schmissigen „Heute beginnt der Rest Deines Lebens“ nach dem Hit von Udo Jürgens für vorbildliche Textgestaltung und nuancierte Phrasierung.
Eine Zugabe kam noch mit dem Spiritual „Rock my Soul“.
Das Konzert in seiner Gesamtheit zeugte von akkurater, sorgfältiger und konzentrierter Probenarbeit, wie man es vom Volks-Chor gewohnt ist.

Marius Klupp, der sich als Klavierbegleiter sängerfreundlich zurückhielt, bereicherte einmal mehr den Abend durch seine drei Klaviereinlagen. In die erste „What a wonderful World“ hatte er auch die Eigenkomposition „Mo better blues“ einbezogen. „Girl from Ipanema“ und „Just a Gigolo“ folgten. Das Highlight waren dann schließlich die brillanten Variationen zur Moritat von Mackie Messer (nach „Die Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht und Kurt Weill), in denen die Fingerfertigkeit und Anschlagskultur des Pianisten aufregend und aufmunternd wirkten.

Man kann dem jungen Künstler nur weiterhin Erfolg für sein weiterführendes Studium wünschen.

Nach dem Konzert hatten Sänger und Publikum im Gemeindehaus bei Kanapees und einem Gläschen Etwas bei verhaltener Pianomusik (Marius Klupp) Gelegenheit, die Eindrücke und Erlebnisse der vorherigen Stunden zu verarbeiten.                                                                       E.L.