Konzert 2010


Beschwingt bis zum Schluss
Zum zweiten Projekt des Volks-Chors Bammental

Das Projekt des Volks-Chors Bammental unter dem Titel „Beschwingte Klangreise durch die Chormusik von der Renaissance bis in die Moderne“, akribisch konzipiert von Chorleiter Gerald Drebes, glich  fast einem Lehrstück in Geschichte der letzten fünf Jahrhunderte Chormusik unseres mitteleuropäischen Raumes. Durch die mannigfaltigsten Stile wandern, setzt ein hohes Maß an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit seitens Dirigent und Chorsänger voraus. Dem swingenden Rhythmus der mittelalterlichen Gesänge, dem Pepp der Schlagersongs von gestern und heute sowie dem poppigen Schwung muss an Balance und Finesse gleichermaßen Rechnung getragen werden. Vorneweg sei zu erwähnen, dass Chorleiter und gemischter sowie Frauenchor des Volks-Chors diesen Ansprüchen genüge zu leisten wussten.

Worte, Klang und Rhythmus zu Beginn ließen erkennen, welch Freuden und Leidenschaften unsere Vorfahren im ausgehenden Mittelalter frönten. Es waren das, wie es da im ersten Lied hieß: die liebliche Musik, ein freundlicher Anblick, ein frischer, kühler Wein. Unsere Altvorderen waren demzufolge keine Kinder von Traurigkeit. So festzustellen auch in den anschließenden Chorliedern „An hellen Tagen“, „Tanzen und springen“, „Tourdion“ (ein Loblied auf den Wein), die einen bestechenden Optimismus ausstrahlten. Offenbar darum spricht uns diese Musik auch heute noch an.

Aus weniger ferner Zeit stammten die Titel des folgenden Kapitels „Schlager“:  Ein  eher jazziger Rhythmus, weniger rigoros als der spätmittelalterliche, und dennoch  beschwingt, zeichnete diese Songs aus: etwa den nachdenklichen „Heute beginnt der Rest deines Lebens“ - nach Udo Jürgen, oder den überschwänglichen „Rote Lippen soll man küssen“.

Den zweiten Teil des Abends leitete eine Einlage des Frauenchors ein. Darin drei Kompositionen: Schuberts „Ich hört ein Bächlein rauschen“, dann das von Peter Maffay lancierte „Über sieben Brücken musst du gehn“ und schließlich den Schlager aus der Gastarbeiter-Hochkonjunktur „Zwei kleine Italiener“, dem einst Conny Froboess Publikumserfolg beschied.

Weiter ging es dann mit dem gemischten Chor und dem Block: „Gospel und Pop“. Man war damit mitten im Heute angelangt. Gospel und Pop sind zur Zeit begehrter denn je und werden von den meisten, vornehmlich jugendlichen, Chören gepflegt.

Der Chorleiter entschied sich für das traditionelle „Soon and very soon“, „All things bright and beautiful, eine Komposition aus dem 19. Jh., ferner den Hit der Beatles „When I get older“ und schließlich den  „Irischen Segen“.

Gerald Drebes sorgte in all den Darbietungen als aufmerksam formender Dirigent für präzise Interpretation, nuancierte Phrasierung und vorbildliche Textgestaltung.

Jazz-Pianist: Volker EngelberthEine Zugabe kam dann noch mit dem spritzigen „Rock my Soul“.  Der Gospel wurde  zum Hit des Abends,  und das saalfüllende Publikum in der katholischen Kirche Bammental ließ mit rhythmischem Beifall die Sängerinnen und Sänger zur Hochform auflaufen, so dass bis zuletzt der gleiche „Rock my Soul“ als Zugabe zur Zugabe herhalten musste.

Den Liedvortrag begleitete am Klavier Volker Engelberth weitgehend sängerfreundlich. Der studierte Jazz-Pianist überraschte aber vor allem durch improvisierte Einleitungen zu den Chören und begeisterte durch die zwei  umfangreichen, brillant interpretierten Improvisationen zum Teil zu Themen aus dem dargebotenen Liedgut.                          E.L.