Jubiläumskonzert 2012


Faszination Don Kosaken Chor

 Jubliläum 90 Jahre Volks-Chor beschied Bammental eine Sensation

Auf der Suche nach einem überragenden Ereignis für die Veranstaltungenzum 90-jährigen Jubiläum des Volks-Chors kam der Vorschlag, einen Gastchor dazu einzuladen. Nicht irgend einen, sondern der Don Kosaken Chor sollte es sein! Ronald Stoll stellte daraufhin die Verbindung zum Don Kosaken Chor her, und es gelang ihm die Kosaken für ein Konzert in Bammental zu gewinnen. Der Konzerttermin wurde problemlos vereinbart. Das Konzert sollte von beiden Chören gestaltet werden.
Die Rechnung ging auf. AmAbend des 19. Oktober, um 19,30 Uhr, füllten fast 400 Konzertgäste die Bammentaler Evangelische Kirche voller Erwartung. Und diese sollte keineswegs enttäuscht werden. Nachdem der Volks-Chor zwei Chorsätze aus „Deutsche Messe“ von Franz Schubert unter der Leitung von Gerald Drebes dargeboten hatte, traten die Gäste in originaler Kosaken-Uniform, auf den Plan.


Donnergewalt gleich erklangen die ersten Akkorde. Gut ein Dutzend Sänger erfüllten mitreißend mit ihren Stimmen den Saal. Die Eröffnung der Darbietung galt russischer Kirchenmusik. Die russische Kirchenmusik wurzelt in der byzantinischen, griechisch-orthodoxen Kirchenmusik. In einer durch Neumen (kleinen Häkchen über dem Text)) skizzenhaft überlieferten Form, die heute allerdings kaum noch gelesen werden kann, erstand die russische durchwegs vokale Kirchenmusik nach dem Mongolensturm. in neuer Kraft, so dass sie, zunehmend durchdrungen von der russischen Seele, heute einmalig
  ist und, wie Wissenschaftler feststellten, mit nichts auf der Welt verglichen  werden kann.
Von dieser Einmaligkeit konnten die Don Kosaken ihr Publikum durchaus überzeugen. Nicht allein durch die Klanghomogenität der vorwiegend hymnischen Gesänge, sondern auch durch die tiefe Inbrunst und die überwältigende Stimmgewaltigkeit ihrer Darbietung. Es waren das vor allem „Tedeum laudamus“ und „Gott, rette dein Volk“. Auch Tschaikowski hatte für liturgische Verwendung komponiert. Davon hier: „Erster Psalm Davids“ oder „O bete, Freund“. Einen kleinen Schwenk in die westliche klassische Musik erlaubte sich der Chor mit Bach/Gounods „Ave Maria“. Bachs Begleitung wurde vokalisiert und die Arie von einem
  Countertenor gesungen, dessen astreines Falsett einer Star-Sopranistin Ehre eingelegt hätte.
Beeindruckend, wie der Chor beim musikalischen Vortrag, in Sekundenschnelle vom höchsten Fortissimo ins leiseste Piano überzuwechseln und dabei die Dynamik der menschlichen Stimme auszureizen vermochte. Wanja Hlibka, Leiter des Chores, und Fortführer der Tradition des Gründers, Serge Jaroff,  war dabei kein Mann großer Gesten. Ein, bis zwei Zeigefinger reichten ihm aus, um seine Anforderung an Klangvollkommenheit deutlich zu machen. Der Chor reagierte mit höchster Aufmerksamkeit und Präzision. So kam es noch vor der Pause zu spontanen stehenden Beifallsovationen des Publikums.


Der zweite Teil des Abends galt der russischen weltlichen Musik. Diese erlebte man hier entschieden in ihrer authentischsten Ausprägung und stimmlichen Eindringlichkeit. Es hat sich mit der Zeit bei russischen Chören ein Standardrepertoire herausgebildet, das überall mit größtem Erfolg dargeboten und erlebt wird. Es besteht unter anderem aus einer Blütenlese volkstümlicher Kompositionen, die russische Legenden zum Thema haben. Wie jene des „Stenka Rasin“, des Atamans (Anführers) der Kosaken, der Aufständische um sich scharte, dann aber mit seiner Revolte scheiterte und hingerichtet wurde. Seine Popularität im russischen Volke ist ungebrochen und lebt in der Folklore weiter. Die „Ballade der zwölf Räuber“ hingegen berichtet von der Bekehrung des Räubers Kudejar, der dank Gottes Stimme sich von seiner abscheulichen Lebensweise abwandte und als Mönch Pitirim ins Kloster zurückzog. Mit gewaltiger Stimme schilderte der Bass die Begebenheit, während der Chor refrainartig um Gottes Gnade bat.
Schwermütig erklangen anschließend die volksverbundenen auch im Westen weit verbreiteten „Abendglocken“ und „Eintönig klingt hell das Glöcklein“, für die der Kosaken Chor mit hoher Professionalität einfühlsamen Ausdruck fand. Den Nerv des Publikums traf schließlich „GrünesGras Kalinka“. Der Saal war nicht mehr zu halten, klatschte im Rhythmus mit derMusik. Von diesem Konzert der Don Kosaken ging eine Faszination aus, von der man sich so bald nicht wird entledigen können. Das musikalische Ereignis werden die Bammentaler noch lange in Erinnerung behalten. Den Den Sängerinnen und Sängern des Volks-Chors aber, die abschließend gemeinsam mit dem  Don Kosaken Chor unter der Leitung von Gerald Drebes Bortnjanskijs „Ich bete an die Macht der Liebe“ singen durften, wird dieser Tag wohl unvergesslich bleiben.                                                                                                             E.L.